DER EINGEBILDETE KRANKE

DER EINGEBILDETE KRANKE
 
Molière
DER EINGEBILDETE KRANKE
Inszenierung: Marianne de Pury | Ausstattung: Thomas Ziegler
Mit Virginie Cointe, Sandra Pohl, Johannes K. Prill, Malte Müller, Franz-Jürgen Zigelski
 
Bonner Rundschau | 20. September 2013
Zorn über habgierige Ärzte
Das Euro Theater Central eröffnet die neue Spielzeit mit einer Molière-Adaption
BONN. Die neue Spielzeit im Euro Theater Central wurde mit dem Stück „Der eingebildete Kranke“ eröffnet – und das mit einer richtiggehenden, typischen Molière-Szene. In ihr sitzt Johannes K. Prill mit Tuch um den Kopf im Lehnstuhl, schwer leidend. Aber nicht an den eingebildeten Krankheiten, sondern an den Arztrechnungen, die ihm ins Haus flattern, seine eigentliche Krankheit. Der Zorn über die habgierigen Mediziner treibt ihn um. Im Parkett war das der Lacher. Einige lachten dabei sicher auch auf eigene Kosten.

Nun ist es aber auch keine neue Geschichte, die Marianne de Pury inszeniert hat im Zimmertheater am Dreieck.Sondern eher eine, für die sich die Regisseurin, von vielen Gelegenheiten erfahren mit der kleinen Bühne, aparte Lösungen einfallen ließ zusammen mit Thomas Ziegler. Da wird auch schon mal was auf den Kopf gestellt, zur Hauptsache wird irgendwann, was sich Frau de Pury einfallen ließ, um der Geschichte den theatralischen Halt zu geben. Was nicht ganz leicht ist, wenn man nur fünf Schauspieler hat für ein Dutzend Rollen. Nur zwei oder drei Figuren fallen unter den Tisch, den es auch nicht braucht. Also die Accessoires – die Hüte, Brillen, Schürzen, die von einem Träger zum anderen wechseln. Der Hut macht den Notar, die Brille den Apotheker, beides zusammen den Bruder. Nur die zwei wichtigsten Rollen bleiben an ihre Personen gebunden – der eingebildete Kranke als die reine Unvernunft und Virginie Cointe als Dienerin Toinette als die reine Vernunft.

In einer französischen Komödie ist die Vernunft natürlich eine Französin, die wunderbar komisch parliert und grimassiert, eine sehr schöne Besetzung. Alle anderen werden von Stephan Tacke-Unterberg (4) und Franz Jürgen Zigelski (4) gegeben und von Sandra Pohl (2) – darunter dann aber auch neben dem Arzt die schöne Rolle der verliebten Tochter Angélique. Auch die kleine Bühneneinrichtung funktionierte knapp und fix, so dass man nicht einmal zwei Stunden brauchte, um alles, fast alles, zu erzählen. Vergnügt machten also die Verkürzungen, die sich Molière von Marianne de Pury gefallen lassen musste, ohne dass dadurch die üblichen Komödienelemente Schaden genommen hätten. Auch das gute Ende blieb lustig mit der Empfehlung an den eingebildet kranken Argan, es mal mit der Selbstmedikamentierung zu probieren. Und Angélique bekam auch ihren Cléante. Verdienter, großer Beifall. (ter)